Page 18 - Miteinander + Füreinander - 01 / 2020
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Wir mittendrin
Corona im Klinik-Alltag Auswirkungen
Konstantin Zapf (Mitarbeiter im Präventionspool): Julia Lindeholz (Mitarbeiterin im Corona-Pool): der Corona-Pandemie auf das
„Eigentlich ist die Arbeit im Präventionspool „Ich bin examinierte Krankenschwester und „Haus am alten Botanischen Garten“
relativ simpeln, aber sie wird durch die mensch- eigentlich noch bis Herbst in Elternzeit. Die
liche Interaktion teilweise erschwert. Die größte Corona-Krise war dann aber ausschlaggebend
Herausforderung ist es, wenn Angehörige nicht dafür, dass ich doch früher wieder eingestiegen
verstehen, warum sie jetzt die Patienten nicht bin. Als ich die Bilder aus Spanien und Italien Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben Über den Pandemieplan hinaus mussten die
in die Klinik begleiten dürfen. Manche Leute gesehen habe, war mir klar, dass ich helfen im hohen Maße auch Auswirkungen auf unser Besprechungszimmer umgelegt werden, zum
sehen auch nicht ein, warum sie eine Maske möchte, wo ich kann. Seniorenheim „Haus am alten Botanischen Gar- Beispiel in die Räumlichkeiten der Ergo-Thera-
tragen oder sich am Eingang die Hände desin- ten“. Insbesondere das Kontaktverbot macht pie. Denn nur hier konnte die Dienstübergabe
fizieren sollen. Aber natürlich erlebt man auch den Bewohner*innen zu schaffen. Aber nicht unter Berücksichtigung der Abstandsregelung
Positives. Mir haben zum Beispiel Angehörige nur, dass sie keinen Besuch empfangen konn- erfolgen.
gesagt, dass sie es gut finden, dass wir so strikt ten, war eine schlimme Situation für die Seni-
kontrollieren, denn damit versuchen wir ja, die or*innen, sondern auch, dass sie dazu angehal- Um diese zahlreichen Herausforderungen zu
Patienten zu schützen. Das wird schon wertge- ten wurden, das Haus nicht zu verlassen. stemmen, wurden Schüler*innen der Alten-
schätzt.“ pflege aus dem ambulanten Einsatz abgezogen
Aus diesem Grund hat das „Haus am alten und im Haus eingesetzt. Zudem erhielten wir
Botanischen Garten“ einige Maßnahmen getrof- Unterstützung von Medizinstudent*innen und
fen, die den Bewohner*innen halfen, die Zeit Pflegekräften, die normalerweise nicht in der
des Kontaktverbotes zu überbrücken und gut Altenpflege tätig sind.
zu überstehen. Zum einen wurde es den Seni- Die Pandemie zeigt, dass die Gesellschaft
oren*innen ermöglicht, per Skype und Handy sowie wir als Teil der Rot-Kreuz-Gemeinschaft
mit ihren Angehörigen Kontakt zu halten, und vor allem in Krisenzeiten zusammenhalten und
zum anderen erledigten unsere FSJler*innen nicht nur Hilfe bereitstellen, sondern auch selbst
die Einkäufe für unsere Bewohner*innen. Unser Hilfe erhalten.
Seniorenheim erhielt auch Engelspost, gemalt
und geschrieben von Kindern aus dem gesam-
ten Landkreis Marburg-Biedenkopf. Außerdem
wurde für die Freizeitgestaltung in Form von
Balkonkonzerten und Gartengottesdiensten
Seit Mitte Mai arbeite ich mit einer Viertel-
stelle im Corona-Pool. Eingesetzt bin ich auf gesorgt.
der Station für Orthopädie und Unfallchirurgie Nach fast zehn Wochen lockerte die Regierung
im Uniklinikum Marburg. Anders als vor der das Kontaktverbot für Altenheime. So können
Corona-Krise ist dort hauptsächlich, dass man die Bewohner*innen mithilfe unseres Besucher-
permanent einen Mundschutz trägt. Auf den fensters oder im Garten wieder Besuch empfan-
Fluren wird mehr Abstand gehalten, man des- gen, wenn die Angehörigen zuvor einen Termin
infiziert sich noch häufiger die Hände als sonst vereinbart haben.
und auch die Patienten tragen Mundschutze. Nicht nur das Kontaktverbot war eine Heraus-
Gerade am Anfang war man natürlich unsicher, forderung – von jetzt auf gleich musste ein
ob die Schutzmaßnahmen reichen, wie die Pandemieplan erstellt werden, der im Katastro-
Übertragungswege des Virus sind und ob nicht phenfall für jede Eventualität eine Lösung bieten
vielleicht im schlimmsten Fall sogar die Klinik sollte. Zum Glück ist dieser bis jetzt noch nicht
geschlossen wird und man dann nicht mehr in Kraft getreten, da wir keinen Corona-Fall im
nach Hause zur Familie kann. Aber ich denke, Altenheim hatten.
wenn man gewissenhaft arbeitet und weiß, wor-
auf man achten muss, kann man hoffen, dass
man gesund bleibt. Besonders gefällt mir, dass
man am Ende des Tages immer ein Dankeschön
der Kollegen bekommt, weil man eine zusätzli- Hausmeister Martin Grimmel baut
das Besucherfenster auf.
che Hilfe für sie ist.“
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