Aktuelles - Details
Pflege als Beschäftigungsmotor
"Wir gehen immer weiter in die falsche Richtung": Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen ist mit der Reform der Pflegeversicherung ganz und gar nicht einverstanden. Der bekannte Wissenschaftler fordert deutliche Korrekturen ? und zwar schnell.
Herr Raffelhüschen, wo stehen wir in Deutschland bei der Rente und bei der Pflege?
Bei der Rente konnten wir das Ruder gerade noch rechtzeitig herumreißen. Die staatliche Rentenversicherung ist saniert - allerdings bei künftig deutlich niedrigeren Rentenzahlungen. Jedem Bürger sollte klar sein, dass er hier Eigenverantwortung übernehmen muss. Bei der Pflegeversicherung jedoch gehen wir immer weiter in die falsche Richtung. Schon bei ihrer Einführung war klar, dass sie so nicht funktionieren kann: Im Jahr 2040 werden wir 2,5-mal so viele Pflegefälle haben wie heute, aber nur drei Viertel der Beitragszahler. In ihrer heutigen Form ist die Pflegeversicherung vor allem eine Hilfe für Reiche, eine Art Erbschaftsbewahrungsprogramm.
Was ist Ihrer Meinung nach zu tun?
Das ist nicht so einfach. Viele Menschen zahlen seit über zehn Jahren ins jetzige System und erwarten zu Recht die Leistungen, die ihnen versprochen wurden. Wir können nur versuchen, die Probleme zu mildern, etwa durch Kürzung der Leistungen. Diese Korrektur sollten wir sehr rasch vornehmen. Auch eine höhere Frauenerwerbsquote und mehr Beschäftigung Älterer würden helfen.
Pflege gilt als Wachstumsmarkt -
- denn wir sind eine alternde Gesellschaft. Pflege wird ein Beschäftigungsmotor. Einerseits steigt die Zahl der Pflegefälle, andererseits wird die familiäre Pflege mehr und mehr zum Auslaufmodell. Immer mehr alte Menschen leben allein.
Was heißt das für das Rote Kreuz?
Für das DRK ergeben sich enorme Chancen: Es ist ein wichtiger Anbieter von Pflegeleistungen, der sich jetzt richtig positionieren muss. Abzuwarten bleibt, wie sich auf dem umkämpften Markt die Preise entwickeln. Darüber hinaus hoffe ich, dass wir uns auch in Deutschland wieder stärker auf die ehrenamtliche Arbeit als ergänzendes Moment zur professionellen (kostenpflichtigen) Pflege besinnen.
Quelle: rotkreuzmagazin
Kontakt


