Sie befinden sich hier » Aktuelles

Aktuelles - Details

Ärzte fürchten Zwei-Klassen-Medizin:

Ärztetag lehnt Übertragung ärztlicher Tätigkeiten ab.

Mit hohen Erwartungen haben zahlreiche Pflegeverbände dem 111. Deutschen Ärztetag in Ulm entgegen geblickt. Doch die im Vorfeld geweckte Hoffnung, die Ärzteschaft würde von ihrer strikten Ablehnung gegenüber einer Übertragung ärztlicher Aufgaben an Pflegeberufe abrücken, wurde bitter enttäuscht. Deutlicher denn je lehnten die Mediziner eine Substitution ärztlicher Tätigkeiten ab.

Die Übertragung ärztlicher Tätigkeiten auf die Angehörigen der Pflegeberufe sei eine "bewusste und politisch gewollte Substitution ärztlicher Tätigkeiten", kritisierte der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst. "Dies ist der direkte Weg in die Zwei-Klassen-Medizin: Eine ärztliche Versorgung mit einem Rechtsanspruch auf Facharztstandard und eine nichtärztliche Versorgung zweiter Klasse."

Diese Kritik kann der Deutsche Pflegerat (DPR) nicht nachvollziehen. Der Ärztetag stelle das ärztliche Handeln nach den Worten der DPR-Präsidentin Marie-Luise Müller auch dort noch in den Vordergrund, "wo die Kompetenzen bereits heute und zukünftig eindeutig im pflegerischen Bereich liegen". Unterstützung erhielt die Pflege von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). "Es wird neue Kooperationsformen geben, überkommene Hierarchien und Aufgabenteilungen müssen in Frage gestellt und Kompetenzen delegiert werden", sagte sie und verwies auf Erfahrungen aus dem Ausland. Eine Umverteilung von Kompetenzen könne ärztliche Ressourcen freisetzen, die in vollem Umfang den Patienten zu Gute kommen sollen. "Die Gemeindeschwester AGnES und die Modellklauseln im Pflegeweiterentwicklungsgesetz sind erste wichtige Lösungsansätze. Weitere werden folgen", kündigte die Ministerin an.

Der Ärztetag in Ulm hat sich für eine angemessene Versorgung Alter und Demenzkranker in ihrem häuslichen Umfeld ausgesprochen und plädiert dafür, das Personalbudget in Heimen um 30 Prozent aufzustocken. Der Ärztetag forderte zudem, "endlich die im Gesetz garantierte Rehabilitation geriatrischer Patienten bundesweit sicherzustellen". Neuere Studien zeigen, dass geriatrische Reha-Maßnahmen in der Lage sind, auch bei demenzerkrankten Patienten die Pflegebedürftigkeit zu verringern und die Entlassung in eine stationäre Pflegeeinrichtung zu vermeiden bzw. zu verzögern.

(Quelle: sts, CAREkonkret Nr. 23 vom 6.6.2008, Auszug aus dem Titelthema)
Quelle: www.vincentz.net/carekonkret

Sonstiges | 10.06.2008

 

Kontakt

Christiane Thöne - Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

Christiane Thöne

Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

Telefon: +49 (0) 6421 . 6003 177
» eMail